Immer wieder treffe ich auf mögliche Stellenangebote, aber die kommen am Ende nicht zum Abschluss. Sogar mein Umfeld staunt und meint, ich habe wohl einen sehr guten Lebenslauf. Sie bedauern, dass es schlussendlich immer an den Aufenthalts-Dokumenten und Bewilligungen scheitert.

Ende 2019 war ich in Kontakt mit einer Dame, die eine/n Manager/in für ihre Sprachschule und das dazugehörende Hostel sucht. Das wäre für mich wahrscheinlich die perfekte Stelle gewesen. Allerdings merkte ich sehr schnell, dass die Dame zögerte, denn die Kommunikation verlief zäh. Schlussendlich kam die obligate Frage, die ich schon nicht mehr hören kann: Hast Du eine Arbeitsbewilligung? Nein, habe ich (noch) nicht. Sie meinte irgendwann, sie hätte kein Problem, mich illegal einzustellen. Würden wir erwischt, bezahle sie nur eine Strafe von 500 Dollar. Das grosse Nachsehen hätte ich. Wäre es eine Arbeit irgendwo in einem Kämmerchen, könnte ich es mir überlegen. Aber als Manager hat man zu viel mit Menschen zu tun, so dass dies für mich keine Option ist. Meine Strafe wäre wohl eher, dass ich das Land verlassen müsste und nicht mehr einreisen könnte. Nicht “nur” eine Busse über 500 Dollar. Das ist es mir nicht wert.

Ich fragte bei meiner Anwaltskanzlei nach, wie lange der gesamte Prozess inklusive der Arbeitsbewilligung dauern kann. Die Antwort war, bis zu einem Jahr. Wie bitte!? Welcher Arbeitgeber wartet ein Jahr auf eine neue Arbeitskraft? In meinem “Rückblick” erwähnte ich, dass ich mir eine Lösung suchen und überlegen muss. Die Aussage der Kanzlei liess mich einen Entschluss fassen. Ich muss meinen Status “Tourist” ändern. Ich werde im Land bleiben und die Aufenthaltsbewilligung beantragen. Bis zum Erhalt der Aufenthaltserlaubnis werde ich mich nicht mehr aktiv um eine Arbeitsstelle bemühen. Zudem wähle ich den Weg, wofür ich keinen Arbeitgeber benötige. Das ist in Panama möglich. Darüber werde ich aber in einem anderen Eintrag berichten.

Da ich schon länger merkte, dass es wegen den fehlenden Dokumenten harzt, beschäftigte ich mich vermehrt mit dem Thema Online-Arbeit. Die kann ich unter Umständen auch weiterführen, sollte ich eine Arbeit vor Ort finden oder später weiterreisen. Aber in dem Bereich ist es noch schwerer, denn es kämpfen Leute aus der ganzen Welt um die Freelance-Angebote. Somit habe ich noch mehr Konkurrenz wie hier vor Ort. Also setzte ich auf die Karte “Sprache Deutsch”.

Irgendwann Anfang November erhielt ich eine Einladung für ein Projekt, für das zwingend Deutsch benötigt wird. Was habe ich zu verlieren? Ich nahm an. Allerdings haben die ein ziemlich langes Auswahlverfahren. Ende November führte ich Online ein Interview mit einer Dame. Die teilte mir aber gleich zu Beginn mit, das Projekt sei vorübergehend auf Eis gelegt. Ob ich noch immer Interesse hätte. Da sie sich aber sicher war, dass das Projekt weitergeführt wird, beendeten wir das Interview ganz normal. Am Schluss meinte sie, sie setze mich zuoberst auf die Liste ihrer Empfehlungen. Dann hiess es abwarten, wann und ob das Projekt wieder aufgenommen wird.

Am 2. Januar erhielt ich eine Nachricht, das Projekt wird weitergeführt, ob ich noch Interesse habe und verfügbar bin. Ja, habe und bin ich. Danach ging es in die nächste Runde, ein automatisiertes Interview in Englisch und Deutsch. Automatisiert in diesem Falle war: Mir wurden auf dem Bildschirm Fragen auf Deutsch oder Englisch präsentiert, die ich in der entsprechenden Sprache beantwortete. Dies wurde alles per Video aufgezeichnet. Ich habe keine Probleme mit oder vor Menschen zu sprechen. Aber ich sah mich selbst auf dem Video und führte somit ein Selbstgespräch. Das war eine ganz andere Liga. Den Bildschirmschoner konnte ich leider nicht aktivieren. Da es zeitliche Vorgaben für die Vorbereitung und Beantwortung der Fragen gab, lief eine Uhr auf dem Bildschirm mit. Der Test diente dazu, um meine Sprachkenntnisse zu überprüfen.

Ich hatte die Möglichkeit, die Videos im Nachhinein anzuschauen. Als ich die sah, dachte ich, ich wäre aus dem Rennen. Eine Sprache flüssig sprechen ist für mich etwas anderes. Dazu gehören keine langen Pausen und Gedankenwechsel inmitten eines Satzes. Die führen nämlich unweigerlich zu Grammatikfehlern 🙈 Notiz an mich, ich muss vermehrt längere Selbstgespräche führen. Einfach für den Fall, dass ich wieder einmal ein solches Interview abliefern muss.

Ab dem 3. Januar erhielt ich regelmässig die Nachricht, sie würden noch auf die Auswertung der Videos warten. Ich war kurz davor zu schreiben, ich bin in Lateinamerika und das Warten sei hier Alltag. Fast eine Woche nach dem Interview erhielt ich wieder eine Nachricht, die ich zuerst nicht las. Ich dachte, ich kenne den Inhalt schon. Kurze Zeit später meldete sich der Posteingang wieder. Dieses Mal schaute ich allerdings nach. Echt jetzt? Ich erhielt einen Vertrag für einen Probe-Monat! Es ist bestimmt nicht die Traumarbeit, aber ich habe zumindest etwas zu tun und werde dafür bezahlt. Denn das Nichtstun geht mir langsam aber sicher auf die Nerven! 

Dies ist der Stand per 9. Januar: In Panama bin ich nach wie vor ohne Stelle, trotz Angeboten. Ich suche zur Zeit auch nicht mehr aktiv. Zumindest erzielte ich einen kleinen Teil-Erfolg. Ich darf online arbeiten, wenn auch nur ein paar Stunden pro Woche für den Anfang. Bestehe ich den Probe-Monat, darf ich anschliessend auch mehr Stunden arbeiten.

2 thoughts on “Arbeitssituation”

  1. SUPER! Teilerfolge sind immer besser als gar keine Erfolge 😉
    Aber worin besteht denn nun deine Aufgabe in dem Online-Job? Englisch- und Deutschkurse?
    Die Idee einer Aufenthaltsgenehmigung ist sicher gut, wer dort leben darf, darf ja bekanntlich auch da arbeiten – obwohl: könnte die Bewilligung auch bis zu einem Jahr dauern? Das wäre übel, hmmm …

    Viel Spaß dir erstmal beim “Mini-Job”! 🙂

    Liebe Grüße und ein wunderbares neues Jahr !
    Ria

    1. Liebe Ria

      Auch ich wünsche Dir nachträglich ein gutes neues Jahr! 🙂

      Der Job geht eher Richtung Datenbank-Pflege und eventuell Übersetzungen. Die halten sich sehr bedeckt, aber Details finde ich wohl bald heraus. Online-Sprachkurse ist eine Sache für sich. Ich bin zwar auf einem Portal als Lehrerin zugelassen, aber da werde ich mich wohl zurück ziehen, weil ich nicht hinter dem Angebot stehen kann.

      Was die Bewilligungen betrifft, darüber werde ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr schreiben 😉

      Liebe Grüsse
      Niki

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