Der unfreiwillige Schweiz-Aufenthalt – will ich mir den wirklich antun? Lange überlegte und wägte ich ab, daher war es in der letzten Zeit ruhig auf meiner Website und auf Facebook.

Hintergrund ist die Bank-Geschichte, die ich bereits in meinem Eintrag “Startschuss” erwähnte. Die letzten paar Wochen und Monate versuchte ich, von Panama aus eine Lösung zu finden. Die Andeutung des Kundenberaters war deutlich, dass sie keine Kunden in Panama haben dürfen. Bis Mitte Januar konnte ich mich damit rechtfertigen, dass ich immer noch Touristin in Panama sei. Seit der temporären Aufenthaltsbewilligung ist dem nicht mehr so. Ich bin zu ehrlich für diese Welt, als dass ich mich auf Dauer als Touristin rechtfertigen könnte und würde. Schlussendlich ist davon auszugehen, dass ich früher oder später sowieso auffliege. Da suche ich lieber jetzt eine Lösung.

Man fragte mich auch, warum ich denn noch ein Konto in der Schweiz haben möchte. Die Gründe sind einfach. Mir würden auf den monatlichen Zahlungen aus der Schweiz zu viele Spesen belastet. Bei der letzten Überweisung aus der Schweiz nach Panama blieben rund 80 Dollar auf der Strecke liegen. Nein, da bezahle ich lieber die monatlichen 30 oder 40 Franken Gebühren, die viele Banken bei Auslandsschweizern kassieren. Zudem kann ich zur Zeit keine Kreditkarte bei meiner Bank in Panama beantragen. Eine Voraussetzung bei einem Antrag für das Plastikgeld ist, dass man sich seit mindestens zwei Jahren im Land aufhält. Viele Apps wie Uber und Co., die ich in Panama fast täglich benutze, verlangen aber eine Kreditkarte. 

Während den vergangenen Wochen kontaktierte ich verschiedene Finanzinstitute und versuchte, Unterlagen zu erhalten und eine Lösung zu finden. Für schweizer Banken ist man nur dann interessant, solange man sich in der Schweiz aufhält. Es ging sogar so weit, dass Finanzinstitute sich weigerten, mir überhaupt Informationen zukommen zu lassen. Es hiess nur, man gebe mir die gewünschten Informationen gerne in einem Telefon-Gespräch mit dem Kundenberater. Die Damen und Herren rechneten sich wohl aus, dass ich nicht aus dem Ausland anrufe. Je mehr ich versuchte, desto klarer wurde mir, es würde kein Weg an einem unfreiwilligen Schweiz-Aufenthalt vorbei führen.

Ich startete einen letzten verzweifelten Versuch, vielleicht liess es sich doch noch abwenden. Ich verlangte von meiner Bank eine verbindliche Auskunft, was geschieht, wenn ich in Panama bleibe. Die Antwort war klar und auch mit der Rechtsabteilung abgesprochen: Die Bank würde dann die Geschäftsbeziehung beenden.

Vor einem Jahr buchte ich irgend ein Datum für den Rückflug, da ich den eigentlich verfallen lassen wollte. Deshalb kaufte ich auch ein Ticket, das ich nicht oder nur gegen hohe Gebühren umbuchen könnte. Somit stand der 3. März 2020 für meinen Rückflug fest. Lange haderte ich mit diesem Gedanken. Ich musste mir mit der Zeit Argumente überlegen, warum der Ausflug in die Schweiz auch positive Seiten hat. Irgendwann sagte ich mir, es spielt eigentlich keine Rolle, wo ich warte, bis mein Antrag für die Aufenthaltsbewilligung bearbeitet wird. In der Schweiz könnte ich nützlichere Dinge erledigen, als in Panama “nur” das schöne Wetter und das Leben zu geniessen.

So entstand die Idee, ich würde ohne Gepäck in die Schweiz reisen. Dadurch kann ich mehr Material nach Panama holen. Meine letzte Vermieterin wusste, dass ich schon fast gezwungenermassen in die Schweiz reisen musste. Ich fragte sie, ob sie wisse, wo ich meinen Rucksack lagern könnte. Da bot sie spontan an, ich könne alles bei ihr lassen. Dieses Angebot nahm ich dankend an.

Mein Motorrad steht immer noch bei einem Kollegen und wartet auf eine Anschluss-Lösung. Ich würde den Ausflug auch nutzen, um es vielleicht endgültig zu verkaufen. Und wenn ich schon in der Schweiz bin, warum nicht auch gleich das Lager auflösen? Denn die Überlegung ist einfach: Wie gross ist die Chance, dass ich noch Möbel in der Schweiz benötige, wenn ich die Aufenthaltsbewilligung habe? Die Antwort ist einfach: Sehr klein. Nicht zuletzt sind da liebe Menschen in der Schweiz, die ich auch gerne mit einem Besuch überraschen wollte. Daher entschloss ich mich dazu, nicht über die geplante Reise zu schreiben. Langsam konnte ich mich zumindest ein wenig mit dem Gedanken anfreunden, in die Schweiz zu reisen. Für mich war aber klar, ich würde so bald wie möglich wieder nach Panama zurückkehren. 

Eine meiner letzten Tätigkeiten in Panama war, ich kontaktierte eine schweizer Organisation, die sich für die Interessen von Auslandschweizern einsetzt. Davon sind mir zwei bekannt: Die Auslandschweizer-Organisation und Soliswiss (externe Links). Von Soliswiss erhielt ich Kontakt-Informationen zu einer Bank. Meine ersten Online-Recherchen ergaben, dass dies eine wirkliche Alternative sein könnte. Aber nach all den Rückschlägen der vergangenen Wochen machte ich mir nicht zu grosse Hoffnungen.

Der 3. März 2020 näherte sich in grossen Schritten. Als der Tag der Abreise da war, fühlte es sich an, als wolle Panama mich nicht gehen lassen. Wir flogen mit drei Stunden Verspätung los. Zuerst kam der Flieger verspätet aus Europa an. Zusätzlich war ein Radwechsel wegen einem Riss im Reifen notwendig. Nach einem unruhigen Flug und grosser Verspätung landeten wir irgendwann am nächsten Abend in Zürich. Draussen war es kalt und grau, am liebsten wäre ich sitzen geblieben und auf direktem Wege wieder zurück geflogen.

Da eine baldige Rückkehr mein Ziel war, kontaktierte ich kurz nach meiner Ankunft den Kundenberater, dessen Angaben ich erhalten hatte. Im Gespräch merkte ich schnell, dass es wohl doch noch Banken gibt, die Schweizern im Ausland nicht den Rücken zukehren. In einer Mail erhielt ich eine Übersicht über die Dokumente und Angaben, die ich einreichen müsste. Am selben Abend setzte ich mich hin und stellte die gewünschten Unterlagen zusammen. Es fühlte sich an, als würde ich eine Doktor-Arbeit schreiben. Aber mir war wichtig, dass der Herr so viele Angaben wie möglich erhielt, denn was hatte ich noch zu verlieren? Je mehr er wusste, desto besser. Auf Dauer würde sich nur meine Ehrlichkeit und Transparenz auszahlen.

Zwei Tage später fuhr ich nach Basel zum persönlichen Gespräch. Das war der Grund, warum ich überhaupt in die Schweiz zurück kam. Das persönliche Erscheinen bei einem Finanzinstitut. Es war ein interessantes Gespräch, für mich auch sehr informativ. Ursprünglich gab es auch Bedenken wegen der Kreditkarte. Von den Karten-Herausgebern wird ein Mindest-Einkommen verlangt, das ich in Panama nie im Leben erreichen würde. Das waren aber die Argumente, die der Kundenberater benötigte, dass es mit einer Kreditkarte vielleicht doch klappen könnte.

Der Herr sagte von Beginn weg, er könne den Entscheid nicht selbst fällen, ob ich als Kundin aufgenommen werde. Die Anträge von Auslandschweizern werden einem Gremium vorgelegt, das den endgültigen Entscheid fällt. Ich verliess die Bank aber mit einer positiven Einstellung. Seit langem hatte ich wieder das Gefühl, dass ich als Kunde und Mensch wahr genommen werde. Und das wusste ich umso mehr zu schätzen!

Ich gab mein Bestes. Nun warte ich auch hier in der Schweiz. Erhalte ich eine positive Zusage von der neuen Bank? Gleichzeitig überlege ich mir aber auch einen Plan B, falls mir die Bank wider Erwarten doch keine Konten einrichtet. Leider warte ich in der Zwischenzeit nicht nur auf die Entscheidung der Bank. Mein Schweiz-Aufenthalt wurde gleich mit doppelter Bedeutung unfreiwillig, dazu aber mehr im zweiten Teil.

2 thoughts on “Der unfreiwillige Schweiz-Aufenthalt (Teil 1)”

  1. Auf jeden Fall kennst du keine Langeweile 😉

    Doofe Frage: Kannst du nicht ein “Partnerkonto” mit irgend jemanden eröffnen der in der Schweiz zu Hause ist?
    So könntest du doch auf dein Geld zugreifen. Ist nur so eine Idee.

    Das Wetter spielt hier zum Glück mit, so ist es nicht so schlimm hier zu sein.

    Und wie sieht eine Ausreise bezüglich Corona aus?

    1. Keine Ahnung Kängi, ob so etwas möglich ist. So wie ich einen Strip auf Papier hinlegen musste, denke ich eher nicht. Und was ist, wenn diese Person irgendwann wirklich ein/e Partner/in hat? Ich hoffe jetzt darauf, dass mein gestellter Antrag durch geht. So wären die Fronten auf jeden Fall sauber geklärt. Denn ich mache es lieber jetzt richtig und habe nachher meine Ruhe.

      Für mich macht die Sonne den Aufenthalt wirklich erträglicher, aber mit den ❄ Temperaturen kann ich mich nicht anfreunden 😞

      Corona…der zweite unfreiwillige Teil…dazu mehr im nächsten Beitrag 😉

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