Die Schweiz und Panama setzen auf verschiedene Arten der Krisenbewältigung. Während ich immer noch in der Schweiz fest sitze, bin ich in Kontakt mit Freunden in Panama. Somit kann ich herausfühlen, wie das Leben und die Stimmung drüben wirklich ist.

Auch wenn der Virus später in Panama ankam, traf die dortige Regierung viele Entschlüsse fast zeitgleich mit der Schweiz. Grossanlässe waren zur selben Zeit verboten und die Geschäfte schlossen gleichzeitig. In der Schweiz hielten sich die Geschäfte daran, während ich aus Panama immer noch Fotos von Freunden aus Kaffees erhielt.

Irgendwann ging aber die panamaische Regierung mit den Einschränkungen weiter. Zuerst gab es eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr. Etwas später dauerte sie von 17 Uhr bis 5 Uhr. Danach kam der Hausarrest. Mit dieser obligatorischen Quarantäne wurde auch festgelegt, wann jede Person seine Einkäufe tätigen oder zum Arzt gehen darf. Die letzte Nummer des Passes bestimmt, um welche Zeit man das Haus oder die Wohnung verlassen darf.

Mein Pass endet mit einer Neun. Somit dürfte ich zwischen 9 und 10 Uhr vormittags plus eine halbe Stunde vorher und nachher meine Besorgungen erledigen. Menschen über 60 Jahre oder mit einer Beeinträchtigung dürfen zwischen 11 und 13 Uhr auf die Strasse. Egal mit welcher Nummer der Pass endet.

Diese Regelung warf viele Fragen auf. Was ist, wenn man Haustiere hat? Was ist bei einem Notfall? Darf man den Pool oder Fitness-Raum in einem Wohnkomplex trotzdem benutzen? Die sozialen Medien liefen heiss. 

Seit der Ausgangssperre ist zusätzlich das Alkoholverbot in Kraft. In den Geschäften sind die Alkohol-Abteilungen abgesperrt. In Expat-Foren stösst die Prohibition auf Unverständnis. Das vor allem bei den Amerikanern, denn in den USA fällt der Alkohol in die Kategorie des täglichen Bedarfs.

Ich dachte, mehr Einschränkungen seien nicht mehr möglich. Panama belehrte mich eines Besseren. Seit dem 1. April dürfen Frauen nur noch Montag, Mittwoch und Freitag einkaufen gehen. Männer dürfen Dienstag, Donnerstag und Samstag unterwegs sein. Allerdings immer noch nur in der Stunde, die der letzten Zahl des Passes entspricht. Diese zusätzliche Einschränkung wurde eingeführt, weil die bis dahin geltenden Vorschriften nicht eingehalten wurden. Damit wollte man die Kontrolle für die Polizei vereinfachen. Dieses Vorgehen war sogar dem Nachrichten-Sender CNN eine Meldung wert (externer Link und Video in Englisch).

Eine Freundin schrieb, dass an einem Mittwoch vor ihr ein Herr an der Supermarktkasse stand. Der wurde von der Polizei vernommen, denn der Mittwoch ist den Frauen vorbehalten. Der Herr konnte eine Bewilligung vorweisen, dass er zur Arbeit gehen darf. Die Aussage der Polizei war klar. Die Bewilligung gelte nur für den Arbeitsweg, nicht aber für den Einkauf. Da müsse auch er sich strikt an die Vorgaben halten.

Einige Ausländer wurden wegen Missachtung ausgewiesen. Einheimische scheint man in Reinigungskolonnen zu stecken. Das berichteten zumindest die Zeitungen. Auf publizierten Fotos sah man Gruppen, in denen sich die Menschen nahe beieinander und ohne jeglichen Schutz befanden. Die Regierung widerspricht sich selbst mit diesem Vorgehen. Auf der einen Seite ist der Hausarrest, damit die Menschen voneinander getrennt bleiben, auf der anderen Seite existieren diese Reinigungstruppen.

Die Polizei versuchte gute Stimmung zu verbreiten und die Leute bei Laune zu halten:

Que bello, eso es Panamá

Gepostet von Casa Mariposa am Samstag, 4. April 2020

 

 

Seit Donnerstag vor Ostern fördert die Regierung aber nicht wirklich das Verständnis für die getroffenen Massnahmen zur Krisenbewältigung.

An jenem Tag verkündete die Regierung, dass am Ostersamstag absolut niemand auf die Strasse darf. Der Einkaufstag der Männer wurde einfach ohne Vorwarnung gestrichen. Diese Massnahme wurde am Donnerstag nach Ladenschluss kommuniziert. Die Männer hatten somit absolut keine Gelegenheit mehr, bis zum folgenden Dienstag Lebensmittel zu beschaffen. Das verursachte grossen Unmut. Den erreichte die Regierung anscheinend nicht. Die darauf folgenden zwei Wochen legte sie nämlich das gleiche Vorgehen an den Tag. Ein Ausgangsverbot wurde für zwei weitere Samstage in Folge verhängt. Aus meinem Umfeld nahm ich nach dieser Geschichte ein Kippen der Stimmung wahr. Unruhen wären für mich nach diesem Vorgehen keine Überraschung gewesen. Zwar las ich von Expats über Demos und blockierten Strassen, niemand aus meinem Umfeld konnte dies allerdings bestätigen.

Viele Geschäfte begannen schon früh, Schaufenster oder zusätzliche Eingänge mit Holzplatten zu verbarrikadieren. Seit der Karwoche nehme ich eine immer aggressiver werdende Stimmung wahr. Einkommensschwache Familien können sich kaum mehr Lebensmittel leisten, weil kein Einkommen mehr da ist. Zwar werden Lebensmittel verteilt, aber anscheinend nicht genug. Das in einem Land, das immer wieder stolz verkündet, eines der reichsten Länder in Lateinamerika zu sein.

Ende April beschloss Panama’s Regierung, den Flughafen für weitere dreissig Tage geschlossen zu halten. Somit wird vor dem 23. Mai 2020 kein Flugzeug den Tocumen International Airport anfliegen oder verlassen. Zusätzlich bleibt auch die Einwanderungsbehörde bis zum 15. Mai geschlossen.

Der nächste Schritt war das Schutzmasken-Obligatorium. Kurz darauf las man in der Tagespresse, dass dieses aufgrund eines Formfehlers nicht gültig sei. Eine Woche später war es dann doch da. Verstösst man gegen diese Auflage, wird eine Busse bis zu 1’000 Dollar fällig. 

Lange verfluchte ich die Tatsache, dass ich in der Schweiz fest sitze. In der Zwischenzeit bin ich darüber froh. Auch wenn ich absolut keine Ahnung habe, wann und wie ich wieder nach Panama komme. Wir dürfen noch gewisse Freiheiten geniessen. Zudem geht es in der Schweiz etwas zivilisierter zu und her. Es würde mich nicht überraschen, wenn in Panama die gewählte Strategie zur Krisenbewältigung irgendwann zu grossen Unruhen führt.

Ich weiss nicht, wie oft ich diesen Eintrag anpasste. Je länger die Krisen-Situation anhält, desto grösser wird das Hin und Her. Anscheinend erarbeitete die Regierung in den vergangenen Wochen ein Dokument zur Lockerung der Vorschriften. Allerdings ist diese Information mit Vorsicht zu geniessen und man darf gespannt sein.

Mit diesem Eintrag möchte ich aufzeigen, dass das Vorgehen der Schweiz ziemlich menschlich war. Im Vergleich hatte die schweizer Bevölkerung immer viele Freiheiten. In dem Sinne, geniesst das, was wir haben und bleibt gesund!

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