Manchmal frage ich mich, wo die Zeit bleibt. Erst zwei Monate? Schon zwei Monate? Mit meinem Blog möchte ich nicht nur berichten, was ich gerade tue. Die emotionale Seite gehört neben den Fakten genauso zu einem solchen Abenteuer. Vor einem guten Jahr wälzte ich die Frage, soll ich das Risiko wirklich wagen? Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde, die Welt wartet nicht auf mich. Würde ich den emotionalen Druck aushalten, wenn es nicht nach Plan klappt? Fakt ist, seit meiner Ankunft bin ich immer irgendwie am Improvisieren und Probleme lösen, das kann auf Dauer sehr ermüdend und frustrierend sein.

Die Ankunft

Damit begann das richtige Abenteuer. Irgendwo Ferien machen ist eine Sache. Sich irgendwo neu einleben, sich neu zurechtfinden ist eine ganz andere Geschichte. Ich fand mich zwischen zwei Welten wieder: Die Welt, die ich kenne, und die neue Welt. Obwohl ich den Vorteil habe, dass mein Spanisch für den Alltag reicht und mir das Leben im Süden nicht ganz fremd ist, prasseln immer wieder neue Eindrücke auf mich ein, die verarbeitet werden wollen. Ein einfaches Beispiel ist die Metro. Leute stehen in der Metro auf, um älteren Menschen und Frauen den Platz anzubieten. Wie verhalte ich mich, wenn mir ein Herr seinen Platz anbieten will, obwohl ich weiss, dass ich demnächst aussteigen muss? Ich bin weder alt noch schwanger, daher ist es für mich ungewohnt, wenn mir ein Platz angeboten wird. Fühlt er sich beleidigt, weil ich ablehne? Oder ahnt er, dass ich demnächst aussteigen muss? Dies ist nur eine Situation, die sich innert Sekunden abspielt. Solchen Situationen begegne ich jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse. Egal, ob ich nur zum Supermarkt gehe oder sonst etwas unternehme. Es wird eine Weile dauern, bis alles so selbstverständlich wird, wie es in der Schweiz für mich war.

Das Zuhause

Ein richtiges zu Hause habe ich (noch) nicht. Daher fehlt auch eine gewisse Sicherheit, eine Wohlfühloase. Bisher traf ich es nicht schlecht mit meinem vorübergehenden zu Hause. Optimal war es zeitweise dennoch nicht und kostet manchmal Energie und Nerven. Ich wusste, es würde nur auf Zeit sein, das machte vieles erträglicher. Dennoch kann es ablenken und den Fokus wieder auf neue oder andere Dinge richten. Vielleicht eben nicht auf die Dinge, die ursprünglich geplant waren. Wie kriege ich meine “Heimarbeit” mit den plötzlich vielen Menschen im Haus unter einen Hut? Man darf nicht vergessen, das Leben in südlichen Ländern kann ziemlich laut sein. Das spürte ich, nachdem ich plötzlich in einem gut belegten Haus wohnte. Dies hat sich in der Zwischenzeit aber wieder geändert und ich habe zumindest im Moment die Bleibe unter der Woche für mich alleine.

Ich wusste, mein Zuhause würde nur auf Zeit sein. Die Zeit wird Mitte Dezember enden, früher als ich hoffte. Aber für jene, die mir die Daumen drückten, ich brauche keine Hängematte und Palmen, ich habe eine neue Bleibe bis Mitte Januar gefunden. Dieser Umzug wird wieder an der Energie zehren, weil ich mich wieder neu zurechtfinden und integrieren muss. Mir ist jetzt schon bewusst, dies wird nicht mein letzter Umzug sein. Spätestens für Mitte Januar muss ich eine neue Lösung suchen. Ich hätte es einfacher haben können, indem ich aus der Schweiz gleich eine Wohnung anmietete. Weil ich aber ein wenig eine Ahnung habe, was mich im Süden erwarten könnte, möchte ich die Räume zuerst sehen, denn Fotos sind geduldig. Zudem wollte ich mich nicht auf einen Mietvertrag einlassen, aus dem ich im schlimmsten Falle nicht mehr raus komme, nur weil es vor Ort nicht wie geplant klappt. Bis zum heutigen Tag bin ich froh, habe ich mir noch keine eigene Wohnung gesucht, denn ich weiss noch gar nicht, ob ich im Land bleiben kann und werde.

Die Arbeit

Die Wirtschaft vor Ort ist in den letzten Monaten rückläufig. Das spüre ich nun umso mehr, weil Schulen keine neuen Lehrer mehr einstellen. Mir wurde von verschiedenen Schulen vor Ort wie auch Lehrern bestätigt, dass es die letzten Monate wirklich schwieriger wurde. Was nun? Ich muss die ganze Situation neu überdenken. Die Aufenthaltsbewilligung ist an diverse Dinge geknüpft, unter anderem an eine Anstellung. Muss ich jetzt deswegen das Land verlassen?

Die Perspektiven

Ich habe noch die Option auf Online-Arbeit, dies hilft bei der Aufenthaltsbewilligung jedoch nicht weiter. In der Zwischenzeit habe ich erste Beziehungen geknüpft. Will ich die wirklich schon aufgeben und irgendwo anders komplett von vorne beginnen? Denn aus diesen Beziehungen könnten sich in Zukunft neue Möglichkeiten eröffnen. Oft werde ich gefragt, warum Panama? Das hat für mich praktische Gründe. Andere Länder wären für mich auch in Frage gekommen. Die meisten Länder muss man als Tourist nach 90 Tagen wieder verlassen. Das wäre in meinem Fall bereits Anfang Dezember. Panama ist in der Hinsicht für gewisse Staatsangehörige sehr grosszügig und erlaubt einen Aufenthalt bis zu 180 Tagen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, ziemlich einfach eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, die zog ich bisher allerdings noch nicht wirklich in Betracht. Fakt ist, ich muss mir eine Lösung suchen. Ich muss mir überlegen, will ich bleiben oder weiter ziehen.

Meine Bewegungsfreiheit in Panama wird ab Anfang Dezember auf die öffentlichen Verkehrsmittel eingeschränkt. Nach drei Monaten ist mein schweizer Führerausweis in Panama nicht mehr gültig und ich werde auch keinen fahrbaren Untersatz mehr mieten können. Ausser ich würde kurz über die Grenze gehen, aber das habe ich nicht vor. In der nächsten Zeit wird es wohl von meiner Seite her etwas ruhiger werden. Ich werde verschiedene Optionen unter die Lupe nehmen und welche Möglichkeiten ich habe. Was will ich überhaupt tun? Dank Internet sind die Möglichkeiten heutzutage vielfältig. Ich denke dabei an die digitalen Nomaden. Vielleicht schlage ich einen ähnlichen Weg ein? Wenn, dann hoffentlich nur vorübergehend, denn ich möchte wirklich lieber unterrichten und mit Menschen arbeiten. Oder finde ich eine Stelle in einem anderen Land? Diese Option besteht nach wie vor.

Das Fazit

Es lief bisher nichts “nach Plan”. Erwartete ich das? Auch wenn ich hoffte, es würde anders kommen, ja, ich rechnete damit, deshalb wählte ich Panama. Aber es kostet Nerven, zehrt an der Energie. Habe ich Zweifel? Ja. Ich denke, es wäre nicht normal, hätte ich zwischendurch keine Zweifel, ob ich das Richtige mache. Die Zweifel sind manchmal so gross, da wäre es einfacher, den Kopf in den Sand zu stecken und wieder in die Schweiz zu reisen. Will ich wirklich so schnell aufgeben? Nein. Wie schon erwähnt, ich wusste, es würde nicht einfach werden, niemand wartet auf mich.

Ich bin mir bewusst, dass alles seine Zeit braucht. Manchmal ist es trotzdem nervenaufreibend, die entsprechende Geduld aufzubringen, weil vieles nicht klappt oder an Kleinigkeiten scheitert. Es kostet Nerven und Energie, sich selbst immer wieder zu motivieren und neue Dinge in Angriff zu nehmen, die vielleicht zu einer Lösung führen könnten. Bereue ich es? Bisher nicht, das ist für mich die Hauptsache. Einzig das Motorrad fahren vermisse ich gerade sehr, denn dies half mir in solchen Situationen immer wieder, Abstand zu gewinnen und einen klaren Kopf zu behalten. Genau über diesen Situationen grübelte ich vor gut einem Jahr nach. Diese Situationen sind nun eingetroffen. Die Zeit alleine wird zeigen, ob es die richtige Entscheidung war, dieses Risiko einzugehen und ob ich dem Druck auf Dauer standhalten werde. Irgendwann werdet Ihr lesen können, für welchen Weg ich mich nach den Erfahrungen der letzten beiden Monaten entschieden habe.

¡Hasta la próxima!

One thought on “Rückblick auf zwei Monate”

  1. Hoi Nicole, ich wünsche dir weiterhin ganz viel Glück, Erfolg und Durchhaltevermögen! Welchen Weg du auch immer gehen wirst, die Erfahrungen wird dir niemand nehmen können! Freue mich immer, von dir lesen zu können! Hör auf dein Herz, dann wird es der richtige Weg sein! Machs guet und liebi Grüess! Lexi

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